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Beckeninstabilität

Beckeninstabilität

Ursachen, Folgen und Behandlungsmethoden einer Beckeninstabilität

Symphysiolyse (Symphysenlockerung) ist der medizinische Fachbegriff für Beckeninstabilität. Wörtlich genommen bedeutet dies die Lösung der Verbindung (Symphyse) zwischen den beiden Schambeinen. Tatsächlich ist diese Bezeichnung jedoch unzutreffend, denn bei einer Beckeninstabilität löst sich die Symphyse nicht wirklich. Vielmehr ist sie beschädigt, lockerer oder dehnbarer. Darüber hinaus betrifft eine Symphysiolyse auch immer die übrigen Teile und Verbindungen des Beckens. Alles in allem wird das Becken hierdurch dennoch instabiler, was unter anderem zu Schmerzen im Intimbereich und im unteren Rückenbereich sowie zu Bewegungseinschränkungen führen kann.

Beckeninstabilität tritt vor allem bei schwangeren Frauen auf

Besonders schwangere Frauen sind von Beckeninstabilität betroffen. Zwischen 5 – 9 % aller schwangeren Frauen bekommt es mit dieser Art von Erkrankung zu tun. Zwar kann Beckeninstabilität auch nicht schwangere Frauen und Männer treffen, die Wahrscheinlichkeit hierfür ist jedoch sehr viel geringer.

Diagnose

Eine Beckeninstabilität lässt sich in den meisten Fällen anhand des Beschwerdebilds diagnostizieren. Im Zweifelsfall kann eine CT-Untersuchung durchgeführt werden. Meist werden weitere Untersuchungen vorgenommen, um mögliche andere Erkrankungen auszuschließen.

Bevor wir näher auf die verschiedenen Formen von Beckeninstabilität, deren Ursachen, verschiedenen Symptome sowie Behandlungsmethoden eingehen, möchten wir zunächst erläutern, wie sich unser Becken zusammensetzt.

Wie setzt sich unser Becken zusammen?

Das Becken befindet sich am unteren Ende des Rückens. Es hat die Form eines soliden schalenförmigen Ringes, der aus drei Knochenteilen besteht: die linke und die rechte Beckenhälfte sowie das Kreuzbein, welches sich auf der Rückseite befindet und dem untersten Abschnitt der Wirbelsäule entspricht. Den obersten Teil der beiden Beckenhälften bildet jeweils das Darmbein, das in das Schambein übergeht. Dieses wiederum mündet am untersten Ende des Beckens in das Sitzbein.

Nach Abschluss der Pubertät sind diese Teile der beiden Beckenhälften an drei Stellen miteinander verwachsen:

  • Das Kreuzbein und das Darmbein sind jeweils links und rechts über ein Iliosakralgelenk (Kreuz-Darmbein-Gelenk) miteinander verbunden;
  • Im unteren Bereich des Beckens bildet an der Vorderseite die Symphyse das Bindeglied zwischen den beiden Beckenhälften;
  • Die Symphyse (ein Gelenkknorpel) befindet sich genau in der Mitte des Schambeins.

Diese drei Verbindungen (die Beckengelenke) sind zur Verstärkung von elastischen Bändern und Kapseln umgeben. Das Becken hält den Körper im Gleichgewicht

Das Becken bildet das Fundament des Rückens. Es ist das Bindeglied zwischen dem Rumpf und den Beinen. Mit Hilfe der Muskeln des Rumpfes, des Bauches und des Rückens kann sich das Becken mit dem Körper mitbewegen und ist so in der Lage, den Körper im Gleichgewicht zu halten. Jegliche Kräfte, die zwischen dem Rückenwirbel und den Beinen wirken, werden vom Becken übertragen. Alle Bewegungen, die mit der Körperhaltung in Zusammenhang stehen, laufen über das Becken.

Warum entstehen Beschwerden aus einer Beckeninstabilität?

Normalerweise besteht für eine einwandfreie Bewegung zwischen den drei Knochenteilen des Beckens an den Iliosakralgelenken und der Symphyse nur ein beschränkter Spielraum. Liegt eine Beckeninstabilität vor, sind die Beckenbänder jedoch geschwächt oder beschädigt, wodurch der Spielraum zwischen den beiden Beckenhälften größer wird. Dies kann verschiedenartige Beschwerden zur Folge haben, da Muskeln und Beckenbänder stärker arbeiten müssen, um das Becken stabil zu halten. Das führt zu Schmerzen. Auch kann sich das Kreuzbein infolge einer Beckeninstabilität absenken, wodurch es zu einer Schieflage der Wirbelsäule kommt und beispielsweise Nervenbahnen gereizt oder eingeklemmt werden.

Welche Beschwerden genau bei einer Beckeninstabilität auftreten und wie schwer diese sind, kann von Person zu Person variieren.

Ursachen einer Beckeninstabilität

Eine Beckeninstabilität kann verschiedene Ursachen haben. Es wird zwischen vier Formen von Beckeninstabilität unterschieden: hormonelle Beckeninstabilität, mechanische Beckeninstabilität, Kombination aus hormoneller und mechanischer Beckeninstabilität sowie Beckeninstabilität nach einem Unfall oder einer Verletzung.

Hormonelle Beckeninstabilität

Eine hormonelle Beckeninstabilität tritt als Folge der hormonellen Veränderung während der Schwangerschaft auf. Unter dem Einfluss von Schwangerschaftshormonen (vermutlich Relaxinen) werden die elastischen Bänder und Kapseln im gesamten Körper weicher und somit auch diejenigen um die Iliosakralgelenke und die Symphyse. Diese werden dadurch beweglicher und dehnbarer. Tatsächlich ist dies vom Körper als Vorbereitung auf die Geburt gedacht, denn der zusätzliche Spielraum zwischen den einzelnen Teilen des Beckens ist von großer Bedeutung für die Eröffnung des Geburtskanals während der Geburt, um genügend Platz für das Kind zu schaffen. Diese hormonelle Veränderung beginnt in der Regel in der zwanzigsten Schwangerschaftswoche.

In einigen Fällen können die Bänder um die Beckengelenke jedoch übermäßig gelockert werden, wodurch es zu einer Beckeninstabilität kommt. Erschlaffen die Beckenbänder zu sehr, kann eine Symphysiolyse, also eine Lösung oder Überdehnung der Symphyse auftreten, die über einige Wochen hinweg mit Schmerzen am Schambein einhergeht. Warum es bei gewissen Frauen zu Beschwerden kommt und bei der anderen nicht, ist unklar. Höchstwahrscheinlich spielen hierbei unzureichende Ruhezeiten sowie die Work-Life-Balance eine Rolle.

Mechanische Beckeninstabilität

Eine mechanische Beckeninstabilität kann während der Geburt auftreten, wenn während des Geburtsvorganges die Beckenbänder überdehnt werden oder reißen, was beispielsweise häufig bei einer schnellen Geburt, der Geburt eines sehr großen Kindes, einer Steißgeburt oder einer Zangengeburt der Fall ist.

Kombination aus hormoneller und mechanischer Beckeninstabilität

Die Gelenkknorpel der Beckengelenke und der Beckenbänder können unter dem Einfluss von Schwangerschaftshormonen derartig erschlaffen, dass es während der Geburt leichter zu Zerrungen und/oder Rissen kommt. Auch tritt bei Beckenbändern, welche bereits durch eine frühere Geburt beschädigt wurden, im Falle einer weiteren Schwangerschaft unter Einfluss von Schwangerschaftshormonen eher eine Beckeninstabilität auf.

Meist vergehen die oben angeführten Formen der Instabilität 2 bis 6 Wochen nach der Geburt von selbst. Manchmal bleiben sie jedoch über einen längeren Zeitraum bestehen.

Beckeninstabilität nach einem Unfall oder einer Verletzung

Eine Beckeninstabilität kann zudem die Folge eines Unfalles oder einer Verletzung sein. Diese Art der Beckeninstabilität tritt daher auch häufig bei nicht schwangeren Frauen oder bei Männern auf. Sie kann beispielsweise in Folge eines Sturzes auf das Gesäß bei Reit- oder Radsportes auftreten. Auch das Grätschen, was man von Fußballern kennt, sowie eine Überlastung des Beckens durch langes Joggen oder schnelles Gehen über einen längeren Zeitraum, können eine Ursache darstellen.

Symptome einer Beckeninstabilität

Wie bereits erwähnt, können die Symptome einer Beckeninstabilität sowie deren Intensität je nach Person variieren. Die folgende (unvollständige) Liste gibt Aufschluss über einige der möglichen Symptome einer Beckeninstabilität: Schmerzen am Schambein.

Diese können sich bis hin zur Innenseite des Oberschenkels sowie bis zur Leiste oder zur Scheide ziehen;

  • Schmerzen am unteren Ende des Rückens nahe des Iliosakralgelenks auf der Höhe der beiden Vertiefungen im unteren Rückenbereich:
    Die Schmerzen können sich bis hin zum Gesäß, der Leiste, der Rückseite des Oberschenkels und in einigen Fällen auch bis hin zum Unterschenkel ziehen.
  • Schmerzen rund um das Steißbein:
    In den meisten Fällen verschlimmern sich diese Schmerzen bei Müdigkeit und bestimmten Bewegungen wie beim Umdrehen im Bett, bei schnellen Laufen, Fahrradfahren auf holprigem Untergrund, Heben, Treppensteigen und Bücken.
  • Schmerz zu Beginn einer Bewegung:
    Wie beispielsweise beim Aufstehen aus einem Stuhl.
  • Schnelleres Ermüden:
    Dieses Symptom einer Beckeninstabilität tritt besonders während des langsamen Gehens oder im Stehen auf.
  • Muskelschmerzen rund um das Becken
  • Schmerzen und Müdigkeit halten länger an:
    Nach größerer Anspannung können Schmerzen und Müdigkeit am Folgetag in höherem Maße auftreten als gewohnt.
  • Wechselndes Beschwerdemuster:
    Eine Bewegung, bei der es an einem Tag zu Beschwerden kommt, verursacht zu einem anderen Zeitpunkt keine Beschwerden und umgekehrt.
  • Unsicherer Gang:
    Diese dem ‘Entengang’ ähnliche Gangart ist vor allem unter schwangeren Frauen bekannt. In extremen Fällen kann es passieren, dass Frauen in der Schwangerschaft nur noch schlurfen können.

Manchmal können die mit der Beckeninstabilität einhergehenden Beschwerden so stark (und so anhaltend) sein, dass Hilfsmittel wie beispielsweise Krücken oder Stöcke zum Gehen unabdingbar sind.

Behandlung einer Beckeninstabilität

Weder gegen die Beckeninstabilität als solche noch gegen das Erweichen der Beckenbänder unter dem Einfluss von Schwangerschaftshormonen gibt es bisher ein zuverlässiges Mittel. Dennoch können Sie etwas dagegen unternehmen. Zunächst ist ausreichend Ruhe äußerst wichtig. So lassen sich die mit einer Beckeninstabilität einhergehenden Beschwerden eingrenzen und der Heilungsprozess wird gefördert.

Hören Sie auf Ihren Körper

Um den Zusammenhang zwischen bestimmten Bewegungen oder Aktivitäten und bestimmten Schmerzen zu erkennen, ist es sehr wichtig, auf den eigenen Körper zu hören. Auf diese Weise finden Sie heraus, welche Bewegungen oder Aktivitäten Sie besser vermeiden sollten. Ein Physiotherapeut oder eine Physiotherapeutin ist die besten Ansprechperson, wenn Sie sich in Bezug auf die richtige Bewegungsweise und das Antrainieren einer guten Körperhaltung beraten lassen möchten.

Muskeltraining

Behandlungsansätze konzentrieren sich meist auf das Trainieren der Muskeln, welche zur Stabilität des Beckens beitragen. Hierzu gehören die Beckenbodenmuskulatur, die schrägen und queren Bauchmuskeln, die Bein- und Oberschenkelmuskulatur sowie die Brust- und Armmuskeln. Dieses Training kann von einem Physiotherapeuten oder einer Physiotherapeutin begleitet werden, es gibt jedoch auch Übungen, die Sie bequem von zuhause aus ausführen können. Zur Linderung der Schmerzen empfiehlt sich eine Entspannungsmassage des Beckenbereiches durch einen Physiotherapeuten/eine Physiotherapeutin. Darüber hinaus können Schmerzmittel für zusätzliche Schmerzlinderung sorgen. Schwangere Frauen sollten diese jedoch ausschließlich nach Rücksprache mit ihrem Arzt/ihrer Ärztin einnehmen.

Beckenband

Das Tragen eines Beckenbandes oder Beckengurtes stärkt das Becken zusätzlich und verleiht diesem mehr Stabilität, wodurch Beschwerden gelindert werden. Wird das Beckenband abgelegt, kehren die Schmerzen jedoch wieder zurück. Schwangere Frauen können ein Beckenband auch zur Vorbeugung tragen.

Beckenfixierung

Nur in wirklich ernsten Fällen von Beckeninstabilität kann eine Operation zur Fixierung des Beckens in Betracht gezogen werden. Bei diesem Eingriff werden die Beckenknochen mit Platten und Schrauben stabilisiert.