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Hoher Blutdruck und Medikamente: Muss man Blutdrucksenker ein Leben lang einnehmen?

Verfasst von: Redaktion

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Blutdrucksenker werden häufig über einen längeren Zeitraum eingenommen, jedoch benötigt nicht jeder dieselbe Dosierung ein Leben lang. Ärztinnen und Ärzte überprüfen regelmässig, ob die Behandlung weiterhin zur individuellen Situation passt. In diesem Artikel erfahren Sie, wann Medikamente erforderlich sind, warum sie oft langfristig eingesetzt werden und wann ein Absetzen in Betracht gezogen werden kann.

Hoher Blutdruck und Medikamente: Warum ist die Behandlung oft langfristig?

Hoher Blutdruck und Medikamente gehen oft langfristig Hand in Hand, da Bluthochdruck in der Regel nicht von selbst verschwindet. Ohne Behandlung bleibt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Langfristig können auch Schäden an Organen wie Nieren und Gehirn entstehen. Deshalb erhalten Personen mit Bluthochdruck zunächst Empfehlungen zur Anpassung des Lebensstils. Wenn diese nicht ausreichend wirken, können Medikamente notwendig werden.

Hoher Blutdruck entsteht nicht immer durch eine eindeutige Ursache. Eine genetische Veranlagung kann eine Rolle spielen, ebenso wie der Lebensstil. Genau deshalb unterscheidet sich die Behandlung von Person zu Person: Manchmal führt ein gesünderer Lebensstil zu erheblichen Verbesserungen, doch bei vielen Menschen bleiben Medikamente zusätzlich notwendig.

Ein guter Blutdruck während der Einnahme von Medikamenten bedeutet nicht automatisch, dass der Blutdruck auch ohne diese Medikamente stabil bleibt. Daher sollten diese niemals eigenmächtig abgesetzt werden, sondern immer in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt.

Wann verschreiben Ärztinnen und Ärzte Medikamente bei hohem Blutdruck?

Medikamente werden verschrieben, wenn ein gesünderer Lebensstil nicht ausreichend hilft oder wenn es wichtig ist, den Blutdruck weiter zu senken. Auch bei einem systolischen Blutdruck von 160 bis 180 kann dies notwendig sein. Bei einem systolischen Blutdruck von 180 oder höher ist die Verschreibung von Medikamenten in der Regel naheliegender.

Dabei berücksichtigt eine Ärztin oder ein Arzt beispielsweise:

  • wie hoch der Blutdruck ist
  • wie viel Wirkung ein gesünderer Lebensstil zeigt
  • Alter und Gebrechlichkeit
  • andere Erkrankungen wie Diabetes, Nierenschäden oder Herzinsuffizienz
  • mögliche Nebenwirkungen

Auch die Art des Beginns der Behandlung variiert je nach Situation. Bei einem systolischen Blutdruck unter 150 und häufig bei älteren oder gebrechlichen Personen wird oft ein einzelnes Medikament gewählt. In anderen Fällen kann eine Kombination aus zwei Medikamenten besser geeignet sein.

Muss man Blutdrucksenker immer ein Leben lang einnehmen?

Blutdrucksenker müssen nicht immer buchstäblich ein Leben lang eingenommen werden, doch für viele Menschen ist eine langfristige Behandlung notwendig. Bluthochdruck ist oft eine Erkrankung, die immer wiederkehrt, während die Vorteile der Behandlung gerade langfristig spürbar sind. Es gibt jedoch Situationen, in denen eine Ärztin oder ein Arzt prüfen kann, ob weniger Medikamente ausreichen. Besonders im höheren Alter erfordert ein Absetzen besondere Sorgfalt. Die Frage ist dann nicht nur, ob Medikamente notwendig sind, sondern auch, ob die Vorteile die Nachteile überwiegen.

Ein Absetzen erfordert immer eine individuelle Anpassung. Besonders bei älteren Menschen kann sich die Abwägung ändern. Zu berücksichtigen sind dabei Gebrechlichkeit, eine begrenzte Lebenserwartung, ein niedriger diastolischer Blutdruck, deutliche Nebenwirkungen oder die Einnahme vieler Medikamente bei bereits niedrigem systolischem Blutdruck.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn ein Medikament nicht nur gegen Bluthochdruck eingesetzt wird, sondern auch für andere Zwecke. Das gilt beispielsweise bei Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Migräne, einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt. In solchen Fällen hat das Medikament oft eine weitere wichtige Wirkung.

Wann kann ein Absetzen oder eine Neubewertung der Blutdruckmedikation in Betracht gezogen werden?

Ein Absetzen oder eine erneute Überprüfung der Behandlung kommt vor allem dann in Betracht, wenn die Nachteile der Medikamente die Vorteile zunehmend überwiegen. Dies betrifft insbesondere gebrechliche ältere Menschen, aber auch bei deutlichen Nebenwirkungen oder wenn ein Risiko für Dehydrierung besteht.

Dann achten Ärztinnen und Ärzte besonders auf folgende Anzeichen:

  • Schwindel, Ohnmacht, geschwollene Knöchel oder Atemnot
  • Gebrechlichkeit, wie Schwierigkeiten beim Gehen, Gewichtsverlust, weniger Appetit oder kognitive Beeinträchtigungen
  • eine begrenzte Lebenserwartung
  • ein niedriger diastolischer Blutdruck, insbesondere unter 70 bei gebrechlichen älteren Menschen
  • die Einnahme mehrerer Blutdrucksenker bei bereits niedrigem systolischem Blutdruck
  • chronische Nierenschäden in Kombination mit Erbrechen, Durchfall oder Fieber

Bei älteren Menschen über 70 Jahren ist ein systolischer Blutdruck unter 150 oft das Ziel, eventuell niedriger, wenn die Behandlung gut vertragen wird. Bei gebrechlichen älteren Menschen achten Ärztinnen und Ärzte besonders darauf, dass der diastolische Blutdruck nicht unter 70 fällt. Ist dies der Fall, kann dies ein Grund sein, die Behandlung erneut zu bewerten. In dieser Gruppe spielen Belastbarkeit, Nebenwirkungen und Funktionalität eine grössere Rolle.

Bei Menschen ab 80 Jahren sind Ärztinnen und Ärzte besonders vorsichtig bei einem zu starken Blutdruckabfall. Vor allem, wenn jemand bereits mehr als zwei Blutdrucksenker einnimmt, kann ein zu niedriger systolischer Blutdruck ungünstig sein.

Wie bauen Ärztinnen und Ärzte Blutdruckmedikamente sicher ab?

Blutdruckmedikamente werden nur schrittweise abgesetzt, immer in Absprache mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Praxisassistenz.

Ein sicherer Ansatz besteht in der Regel aus:

  • der Auswahl eines einzelnen Medikaments
  • einem schrittweisen Absetzen auf eine niedrigere Dosierung
  • der Kontrolle des Blutdrucks zwischendurch
  • der Beobachtung von Beschwerden, Nebenwirkungen oder einem Anstieg des Blutdrucks während des Absetzens
  • der anschliessenden Beurteilung, ob ein weiteres Absetzen möglich ist

Wie schnell das Absetzen erfolgt, hängt von der Situation, der Art des Medikaments, der Dosierung und dem Grund für die Einnahme ab. Messungen zu Hause können helfen, die Reaktion des Blutdrucks zu verfolgen.

Welche Rolle spielen Lebensstil und Heimblutdruckmessungen bei hohem Blutdruck?

Lebensstil und Heimblutdruckmessungen spielen eine wichtige Rolle bei Bluthochdruck, sowohl vor Beginn der Medikation als auch während einer Neubewertung. Manchmal entscheiden sich Ärztinnen und Ärzte für eine 24-Stunden-Messung oder für Messungen zu Hause mit einem Blutdruckmessgerät nach einem festen Schema. So können sie besser beurteilen, ob der Blutdruck wirklich zu hoch ist.

Darüber hinaus erhält jede Person mit erhöhtem Blutdruck Lebensstilempfehlungen. Welche Anpassungen helfen, ist von Person zu Person unterschiedlich.

Oft hilft es, auf Folgendes zu achten:

  • weniger Salz
  • ausreichend Bewegung
  • Abnehmen, wenn nötig und machbar
  • weniger Alkohol
  • gesunde Ernährung, die langfristig durchführbar ist

Ein gesünderer Lebensstil kann auch dazu beitragen, dass eine Ärztin oder ein Arzt die Menge der Medikamente erneut überprüft. Das bedeutet nicht automatisch, dass man ohne Medikamente auskommt, aber es kann eine Rolle spielen.

Wann ist die Fortsetzung der Blutdruckmedikation sinnvoll?

Was sinnvoll ist, hängt von der Situation ab. Ärztinnen und Ärzte berücksichtigen dabei unter anderem, wie hoch der Blutdruck ist, wie sich die Person fühlt, andere Erkrankungen und mögliche Nebenwirkungen.

Situation

Was ist naheliegender?

Warum?

Der Blutdruck bleibt trotz Lebensstilmassnahmen erhöht

Beginn oder Fortsetzung der Medikation

Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleibt erhöht.

Ein Blutdrucksenker hat auch eine andere Funktion, z. B. bei Herzinsuffizienz oder Vorhofflimmern

Besonders vorsichtig sein beim Reduzieren oder Absetzen

Das Medikament wirkt nicht nur auf den Blutdruck.

Eine gebrechliche ältere Person hat Schwindel, eine Neigung zu Stürzen oder einen niedrigen diastolischen Blutdruck

Neubewertung oder Absetzen in Betracht ziehen

Nebenwirkungen und Risiken der Behandlung können schwerer wiegen.

Es besteht eine begrenzte Lebenserwartung

Behandlungsziele neu besprechen

Komfort und die Vermeidung von Beschwerden können wichtiger sein als strikte Zielwerte.

Es besteht Dehydrierung durch Fieber, Durchfall oder Erbrechen bei der Einnahme bestimmter Medikamente

Vorübergehende Anpassung in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt

Das Risiko für Probleme mit der Nierenfunktion kann steigen.

Ob eine Fortsetzung, Reduzierung oder ein Absetzen sinnvoll ist, hängt von der Situation und der Person ab.

Wann ist eine medizinische Beurteilung bei hohem Blutdruck besonders wichtig?

Es ist besonders wichtig, eine Ärztin oder einen Arzt zu kontaktieren, wenn der Blutdruck stark ansteigt, Beschwerden hinzukommen oder nach dem Absetzen erneut Beschwerden auftreten. Es gibt einige Anzeichen, bei denen man nicht abwarten sollte.

Nehmen Sie sofort Kontakt mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Notfallstation auf bei:

  • Schmerzen in der Brust
  • plötzlich starken Schmerzen zwischen den Schultern
  • Atemnot
  • plötzlich starken Kopfschmerzen
  • Ausfallerscheinungen wie ein schiefes Gesicht, gelähmter Arm oder Bein oder Sprachprobleme
  • Nehmen Sie am selben Tag Kontakt auf, wenn:
  • der systolische Blutdruck über 180 liegt und Beschwerden auftreten
  • der systolische Blutdruck über 200 liegt und bei wiederholten Messungen so hoch bleibt
  • Sie Wasser einlagern oder einen schnellen, unregelmässigen Herzschlag haben

Fazit: Blutdruckmedikamente erfordern regelmässige Neubewertung

Blutdruckmedikamente sind für viele Menschen eine langfristige Behandlung, da sie das Risiko für Schäden an Herz und Blutgefässen senken. Dennoch ist „ein Leben lang einnehmen“ keine feste Regel für alle. Besonders bei älteren Menschen, Gebrechlichkeit, Nebenwirkungen oder niedrigem Blutdruck kann eine Ärztin oder ein Arzt erneut prüfen, ob eine Reduzierung oder ein Absetzen besser passt. Der Kern bleibt derselbe: Setzen Sie Medikamente nicht eigenmächtig ab, sondern besprechen Sie mit einer Ärztin oder einem Arzt, welche Behandlung in Ihrer Situation am besten passt.

Die wichtigste Frage ist daher nicht nur, ob Blutdruckmedikamente ein Leben lang notwendig sind, sondern vor allem, ob die Behandlung noch zu Ihrer Situation passt.

Häufig gestellte Fragen zu hohem Blutdruck und Medikamenten

Kann sich Bluthochdruck durch den Lebensstil verbessern, sodass Medikamente nicht mehr notwendig sind?

Bluthochdruck kann sich durch Lebensstilmassnahmen verbessern, was manchmal Raum für eine erneute Überprüfung der Medikamente schafft. Gesundes Leben bleibt für alle wichtig. Das bedeutet jedoch nicht, dass Medikamente immer abgesetzt werden können. Diese Entscheidung bleibt individuell.

Kann man Blutdrucksenker eigenständig absetzen, wenn der Blutdruck gut ist?

Blutdrucksenker eigenständig abzusetzen, ist nicht ratsam. Setzen Sie Medikamente also niemals eigenmächtig oder abrupt ab, sondern sprechen Sie immer zuerst mit einer Ärztin oder einem Arzt. Ein guter Blutdruck kann gerade die Wirkung der Medikamente sein.

Betrifft das Absetzen vor allem ältere Menschen?

Das Absetzen betrifft vor allem ältere Menschen, insbesondere gebrechliche ältere Menschen. Ein niedriger diastolischer Blutdruck, Sturzrisiko, die Einnahme vieler Medikamente gleichzeitig und eine begrenzte Lebenserwartung können dann stärker ins Gewicht fallen.